Ein Clipstick namens “Jan”

Aug 07, 2012 2 Kommentare von

Über Clipsticks kann man denken was man will. Ich (Boris) kenne einen der einen ausprobiert hat und offensichlich daran Gefallen gefunden hat. Der Mann (ein angehender Kletterbericht.de-Autor) ist sicherlich kein Weichei, hat z.B. mit (Fallschirm-)Fallen kein Problem und sagt uns hier hoffentlich bald warum sich die Anschaffung lohnt und wie man mit dem Hohn fertig wird, den man dabei erntet.

“Peter? Bist Du so frei!?” Peter: “Hähä aber gerne doch.”

Los geht’s:

Mit dem Clipstick ist es wie mit der BILD oder mit Porno-DVD’s, jeder weiß, dass es sowas gibt, aber niemand hat sowas jemals selbst gekauft oder gelesen oder gesehen. Mir gehört der auf den Bildern auch nicht, aber ich war sehr froh, dass wir ihn in Arco dabei hatten.
Wenn man nämlich mal nicht wirklich sicher ist, ob die Route, die man da als nächstes auserkoren hat, für einen selbst das Richtige ist, kann man mit dem Clipstick die Exe einspannen, das Seil einlegen und bis locker 5m Höhe einhängen und jede Route so zur Toprope-Schlampe degradieren. ;-)
Das geht so: Der Stick ist in mehreren Varianten verfügbar – von 2,60 über 3,33 bis hin zu 5,05 m – wer lang hat, kann lang einhängen und wir hatten natürlich (!) den Längsten.
Die Exe wird dabei in eine Art Plastikumrandung in Form eines fast kompletten Karabiners eingespannt und mit einer Federklammer gesichert. In die andere Seite das Seil einhängen und genug Schlappseil geben, das man das Ding bis zur gewünschten Höhe hochnehmen kann. Beim Einhängen in den Haken wird diese Federklammer herausgezogen, der Karabiner der Exe schnappt zu und man kann ganz beruhigt erstmal probieren, ob man die Route nicht auch im Vorstieg hinbekommt. Gerade bei Gebieten wo ein Sturz aus den Exen 1-3 einen Grounder und somit mindestens einen verstauchten Huf mit sich bringen kann, ist das ein echtes Beruhigungsmittel. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man die 5,05 m Stange nebst Seil gut zielend und balancierend bis in eine clipbare Position vor das Loch des Bohrhakens bekommt – und hierin besteht dabei meistens genau die Herausforderung. Den Stick kann man anschließend wie eine Malerstange wieder zusammenschieben und sogar mit nach oben nehmen.

Zum Umgang mit dem Hohn:
Erster Gebrauch an der Wand: Die anderen Kletterer gucken etwas ungläubig, was wir da machen. Wir hängen uns eine Exe in einer 7 kurz unter einer überhängigen Stelle ein. Ralf klettert los, kommt zu der Exe, baut sich nen Stand und hängt mit dem Stick so nach und nach die restlichen Exen ein, so dass er zum Schluss nur noch den Umlenker selbst einhängen muss.
Kurzer Versuch der anderen Seilschaft die Route so zu meistern endet mit der Bemerkung: “Ich will auch so’n Clipstick!!!”

Die Italiener, die uns an L’Orto damit hantieren haben sehen, waren auch sehr dran interessiert, zumal auch sie ihre eigene Route nicht geschafft haben und uns baten, ihnen ihre Exen mitzubringen. Haben wir sehr gerne gemacht und der abschließende Satz “Siamo tedeschi con piu che quaranta anni, noi arrampichiamo con bastoni” brachte allgemeines, wohlwollendes Gelächter ein. (Übersetzung: Wir sind Deutsche über 40 und wir klettern mit Stöcken.) ;-)

Da den Job des Einhängens normalerweise unser genialer Klettercoach Jan Fröhlich übernimmt, wenn wir uns mal wieder unsicher sind, haben wir beschlossen, das Ding ganz einfach und kurz “Den Jan” zu nennen…

 

 

Materialberichte

Über den Autoren

Ich bin Peter Lawrenz aus Berlin und Klettern ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Ich bin Ende 2010 durch ein Schnupperklettern an die Wand gekommen und seit Anfang 2011 durch den Vorstiegskurs beim besten Klettercoach der Welt (Jan Fröhlich) so richtig angefixt. Anfangs noch begeisterter Hallenkletterer, mittlerweile viel lieber draussen an richtigem Fels unterwegs. Ähnlich wie bei meinen anderen Sportarten Fallschirmspringen und dem technischen Tauchen reizt mich beim Klettern vor allem die Grenzerfahrung in der Kombination mit der körperlichen Verausgabung und dem Auspuzzeln von Routen. Ach ja - "Ich falle *gern*"...

2 Antworten für “Ein Clipstick namens “Jan””

  1. Jana says:

    Ja, ist immer gut den Jan dabei zu haben. Vorzugsweise den Echten. ;-)
    Aber das dir das Ding nicht gehört, glaubt dir nach der Einleitung ja auch keiner mehr…

  2. Peter_L says:

    Ehrlisch, äy, isch schwör’s, äy ! Den gehört mir nisch !

Dein Kommentar: